Digital Health: “Telefonzelle” gegen Pflegenotstand

Die eHealth-Station von Medicubex soll medizinisches Personal bei Routineuntersuchungen entlasten. ​Nach der Untersuchung gibt es einen Kassenzettel mit Daten.

Mit seiner “eHealth Station” möchte das finnische Start-up MedicubeX medizinisches Fachpersonal entlasten und dem drohenden Pflegenotstand entgegenwirken. In Finnland wird nach Angaben des Unternehmens bis 2030 die Hälfte des Pflegepersonals in Rente gehen. In Deutschland werden bis 2030 voraussichtlich 500.000 Pflegekräfte fehlen, weltweit sind es rund zehn Millionen.

Innenansicht der MedicubeX eHealth Station​

Innenansicht der MedicubeX eHealth Station

(Bild: Ali Vahid Roodsari)

Die geschlossene, CE-gekennzeichnete Station in der Größe einer Telefonzelle wurde auf Basis einer Einzelbürokabine des Büroausstatters Framery entwickelt. Sie ist mit verschiedenen medizinischen Messgeräten ausgestattet und soll nicht-invasive Gesundheitschecks “auf Krankenhausniveau” ermöglichen, um in fünf Minuten die wichtigsten Vitaldaten zu erfassen, ohne dass zunächst medizinisches Personal benötigt wird. Pro Schicht können so bis zu einem Drittel mehr Patienten behandelt werden, verspricht das Unternehmen.

Am Ende der Sitzung gibt es eine Art Kassenzettel, auf dem alle Daten erfasst sind. Alternativ könnten die Daten auch an eine App wie die elektronische Patientenakte übermittelt werden. Die Daten der eHealth-Station sind gemäß dem HL7 FHIR-Standard strukturiert, der auch für den europäischen Gesundheitsdatenraum gelten soll.

Medizinische Messgeräte der MedicubeX eHealth Station

(Bild: MedicodeX)

Die Station misst Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung, Atemfrequenz und Körpertemperatur. Eine integrierte Waage ermittelt das Gewicht, den Body-Mass-Index (BMI), den Körperfettanteil und berechnet den Grundumsatz.

Vitaldaten auf einer Art Kassenbon nach dem Besuch in einer Gesundheits-"Telefonzelle"

Vitaldaten auf einer Art Kassenbon nach dem Besuch im Medicubex

Zusätzlich misst die Station die Herzfrequenz und die Herzfrequenzvariabilität. Eine KI-gestützte Analyse soll mögliche Risiken für Herzrhythmusstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes (Typ 2) vorhersagen. Um den Rhythmus des 1-Kanal-EKGs auszuwerten, kommt Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Das EKG kann nach Angaben des Start-ups “mehr als 20 verschiedene Arrhythmien sofort erkennen und EKG-Intervalle und komplexe Dauern berechnen”.

Die eHealth-Station MedicubeX wird seit etwa einem Jahr in einem öffentlichen Gesundheitszentrum in Helsinki für Routineuntersuchungen eingesetzt. Laut dem medizinischen Leiter Timo Lukkarinen haben 96 Prozent der bisherigen Patienten die Station positiv bewertet und würden sie wieder benutzen.

Noch in diesem Jahr will Medicube X die Station in weitere europäische Länder und nach Großbritannien bringen. Einen Preis für die eHealth Station nannte das Unternehmen auf der DMEA nicht.

(mack)

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *